Noch ist Sommer. Eigentlich.
Aber
er beginnt schon, sich ein wenig rarzumachen.
Die Abende werden kürzer, die
Morgen kühler – und irgendwo in meinem Schrank wartet bereits die erste - natürlich neu gekaufte! - Jacke darauf, mich daran zu erinnern, dass das Leben auch ohne Sonnenbrille weitergeht.
Wenn
ein Sommer sich verabschiedet, merkt man oft erst, wie
viele kleine
Geschichten sich in diesen Monaten angesammelt haben,
denn
vielleicht sind es gar nicht die großen Ereignisse, die einen Sommer ausmachen, sondern die ganz unspektakulären Dinge, an die man sich
später erstaunlich gut und gerne erinnert.
Zum
Beispiel unsere Dusche im Garten. Dieses kleine bisschen Luxus,
und die einfache Frage, warum man so eine wunderbare Außenbrause eigentlich nicht schon viele Sommer früher installiert hat.
Barfuß
über die Wiese, schnell abgeduscht, die Sonne auf der Haut –
und für einen
kurzen Moment fühlt sich das Leben ziemlich
unkompliziert an.
Oder
der erste Caffè Latte unter der gestreiften Markise auf der
Holzterrasse am Morgen. Noch ein bisschen verschlafen, ungeschminkt,
die
Tasse in der Hand und eigentlich keinen Grund, schon irgendwo sein
zu
müssen. Ein paar Minuten, die nach nichts Besonderem aussehen
und sich trotzdem
genau danach anfühlen.
Und
dann die lauen Abende mit dem Lieblings-Apotheker beim Italiener direkt um die Ecke. Keine
große Planung, keine lange Anfahrt, kein
„Was ziehen wir an?“. Einfach
losgehen, einen Tisch finden, etwas
Leckeres bestellen und irgendwann
feststellen, dass aus dem
„Wir essen nur schnell was“ mal wieder ein ziemlich
langer, mal feuchtfröhlicher oder nachdenklicher Abend geworden ist.
Vielleicht
ist das Sommer überhaupt:
Nicht ständig Urlaub zu haben, sondern dem Alltag einfach ein
bisschen Urlaub unterzujubeln.
Und
natürlich gab es auch die Tage, die etwas mehr nach Ausflug und Abenteuer
aussahen, zum Beispiel der herrliche Ausflug in den
Rheingau mit meinen "Golden Girls".
Mitte August, Mitte der Woche, Sommerwetter
wie aus dem Bilderbuch, blauer Himmel, Sonne pur, fast schon zu heiss, malerische Weinberge,
ein bisschen Wind und diese besondere
Stimmung, die entsteht, wenn
man mit Menschen unterwegs ist, bei denen ich nicht ständig überlegen muss, was ich sagen darf.
Wir
haben wie immer, wenn wir uns sehen, viel geredet, um nicht zu
sagen "philosophiert", herzhaft gelacht, lecker gegessen, ausgiebig und erfolgreich geshoppt und natürlich auch viel Zeit damit
verbracht,
darüber zu sprechen, was wir eigentlich schon längst einmal
gemeinsam machen wollten...und hoffentlich auch noch werden.
Die zwei Tage im Rheingau waren keine dieser spektakulären Tage,
von denen man später
behauptet, sie hätten das eigene Leben verändert.
Und
genau deshalb waren sie so schön.
Einfach stundenlang zusammensitzen, andere Menschen beobachten, erzählen und lachen. Die Sonne genießen und sich über Dinge
amüsieren, die wahrscheinlich niemand sonst lustig gefunden hätte.
Auch die Golftage mit Freunden am Bodensee, verbunden mit den Bregenzer Festspielen und einer herrlichen Aufführung von
"La Traviata" im Sonnenuntergang gehören zu diesem Sommer 2026.
Eine ziemlich perfekte Kombination: Tagsüber ein bisschen sportlicher Ehrgeiz bei über 30 Grad im Schatten - wobei man beim Golf ja wunderbar so tun kann, als wäre jeder misslungene Schlag reine Taktik - und abends Kultur vor einer ganz besonderen Kulisse.
Dann Kitzbühel mit anderen Freunden und Andreas Gabalier. Wieder eine ganz andere Art von Sommer. Beeindruckende Berge, ausgelassene Musik, fröhliche Menschen und die Gelegenheit, das Leben einfach mal laufen zu lassen.
Und natürlich darf Amrum nicht fehlen. Gerade deshalb auch so schön,
weil es gar nicht jedes Mal ein großes "Jetzt fahren wir in den Urlaub!"
sein muss, sondern weil es für mich ein zweites Zuhause geworden ist.
Endloses Meer, salziger Wind, unendliche Weite und dieses Gefühl, dass
die Gedanken automatisch ein bisschen langsamer werden.
Im Juli ging es dann endlich auch mal wieder zu meiner Freundin nach Reinbek. Manchmal sind es eben nicht die spektakulärsten Orte, die einem besonders vertraut und lieb geworden sind. Es sind die Menschen, Plätze und Erinnerungen, ein bestimmtes Gefühl, das man nicht unbedingt erklären kann, aber sofort wiedererkennt, wenn man dort ist.
Wenn ich das alles so betrachte, war dieser Sommer eigentlich sehr voll.
Voll mit schönen Begegnungen, besonderen Ausflügen, langen Gesprächen, guter Musik, Meer und Bergen, ein bisschen Golf, dem einen oder anderen Glas Wein und vielen Momenten, die einfach gut getan haben.
Solche Tage bleiben mir in ewiger Erinnerung.
Und
dann gab es in diesem Sommer noch ein Ereignis, das alles
andere ein wenig in
den Schatten gestellt hat:
Unser
zweites Enkelkind, ein kleines Mädchen, wurde geboren.
Und
plötzlich ist da wieder dieses Gefühl, das man eigentlich kaum
erklären kann.
Man sieht dieses zarte Wesen und weiß gleichzeitig,
dass man es noch gar nicht
kennt – und dass man es trotzdem schon unendlich liebhat.
Das
Leben ist manchmal eben auch erstaunlich großzügig.
Da
kommt ein neuer Mensch in die Familie, kaum größer als ein kleines Bündel
Glück, und plötzlich fühlt sich die Zukunft ein bisschen größer an.
Man
wird Oma von einem weiteren süßen Mädchen und stellt fest:
Das Herz hat
offenbar noch Platz, viel mehr als man dachte.
Vielleicht
sind es dann genau solche Dinge, die bleiben, wenn der
Sommer vorbei ist. Eben nicht
die perfekte Bräune, die bei mir ohnehin ungefähr so lange hält wie ein guter
Vorsatz.
Nicht
die vielen Fotos, obwohl man natürlich trotzdem viel zu viele davon gemacht hat. Nicht
die Outfits, die man im Sommer unbedingt gebraucht
hat und im Herbst plötzlich
nicht mehr sehen kann.
Es
bleiben die kleinen Geschichten...
Die eiskalte und so erfrischende Dusche im Garten, der duftende
Caffè Latte auf der schattigen Terrasse, die
langen Abende beim Italiener, der unvergessliche Ausflug in den Rheingau, das ausgelassene Lachen mit Freundinnen, die tiefgründigen Gespräche, die irgendwo zwischen
schaumigem Espresso und leckerer Weinschorle mit Eiswürfeln und Zitronenscheibe entstanden sind.
Die immer noch so warmen Abende, die
kleinen Augenblicke, in denen
man einfach zufrieden war, ohne genau zu wissen,
warum.
Und
dieses kleine Mädchen, das in diesem Sommer in unser Leben
gekommen ist.
Vielleicht
ist das überhaupt das Schönste am Älterwerden:
Man
sammelt nicht mehr nur Pläne, sondern vor allem Erinnerungen.
Man
merkt, dass die wirklich wichtigen Dinge selten laut daherkommen.
Sie sitzen
neben einem am Tisch, rufen an oder kommen zu Besuch und
lachen mit einem.
Und
irgendwann sitzt man vielleicht wieder irgendwo
- vielleicht im Rheingau -, die Sonne scheint,
vor einem steht ein
Glas Wein oder auch ein Aperol Spritz und jemand sagt:
„Weißt du noch damals im Sommer
…?“
Und
genau dann merkt man:
Der
Sommer ist vielleicht vorbei, aber
ganz verschwunden ist er nicht,
denn er steckt in den Geschichten, die wir weitererzählen, in
den Menschen, mit denen wir sie erlebt haben.
Und
in all den kleinen Dingen, bei denen wir damals noch nicht wussten,
dass wir
uns später gern daran erinnern würden.
Der
Herbst darf also ruhig kommen, ich bin bereit.
Na
ja, fast...Die Schläppchen bleiben vorsichtshalber noch ein bisschen draußen.


Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen