Donnerstag, 27. August 2026

WAS BLEIBT, WENN DER SOMMER VORBEI IST?

 


 

Noch ist Sommer. Eigentlich.

Aber er beginnt schon, sich ein wenig rarzumachen. 
Die Abende werden kürzer, die Morgen kühler – und irgendwo in meinem Schrank wartet bereits die erste - natürlich neu gekaufte! - Jacke darauf, mich daran zu erinnern, dass das Leben auch ohne Sonnenbrille weitergeht.

Wenn ein Sommer sich verabschiedet, merkt man oft erst, wie 
viele kleine Geschichten sich in diesen Monaten angesammelt haben,
denn vielleicht sind es gar nicht die großen Ereignisse, die einen Sommer ausmachen, sondern die ganz unspektakulären Dinge, an die man sich 
später erstaunlich gut und gerne erinnert.

Zum Beispiel unsere Dusche im Garten. Dieses kleine bisschen Luxus, 
und die einfache Frage, warum man so eine wunderbare Außenbrause eigentlich nicht schon viele Sommer früher installiert hat. 
Barfuß über die Wiese, schnell abgeduscht, die Sonne auf der Haut – 
und für einen kurzen Moment fühlt sich das Leben ziemlich 
unkompliziert an.

Oder der erste Caffè Latte unter der gestreiften Markise auf der 
Holzterrasse am Morgen. Noch ein bisschen verschlafen, ungeschminkt, 
die Tasse in der Hand und eigentlich keinen Grund, schon irgendwo sein 
zu müssen. Ein paar Minuten, die nach nichts Besonderem aussehen 
und sich trotzdem genau danach anfühlen.

Und dann die lauen Abende mit dem Lieblings-Apotheker beim Italiener direkt um die Ecke. Keine große Planung, keine lange Anfahrt, kein 
„Was ziehen wir an?“. Einfach losgehen, einen Tisch finden, etwas 
Leckeres bestellen und irgendwann feststellen, dass aus dem
„Wir essen nur schnell was“ mal wieder ein ziemlich langer, mal feuchtfröhlicher oder nachdenklicher Abend geworden ist.

Vielleicht ist das Sommer überhaupt: 
Nicht ständig Urlaub zu haben, sondern dem Alltag einfach ein bisschen Urlaub unterzujubeln.

Und natürlich gab es auch die Tage, die etwas mehr nach Ausflug und Abenteuer aussahen, zum Beispiel der herrliche Ausflug in den 
Rheingau mit meinen "Golden Girls".
Mitte August, Mitte der Woche, Sommerwetter wie aus dem Bilderbuch, blauer Himmel, Sonne pur, fast schon zu heiss, malerische Weinberge, 
ein bisschen Wind und diese besondere Stimmung, die entsteht, wenn 
man mit Menschen unterwegs ist, bei denen ich nicht ständig überlegen muss, was ich sagen darf.

Wir haben wie immer, wenn wir uns sehen, viel geredet, um nicht zu 
sagen "philosophiert", herzhaft gelacht, lecker gegessen, ausgiebig und erfolgreich geshoppt und natürlich auch viel Zeit damit verbracht, 
darüber zu sprechen, was wir eigentlich schon längst einmal gemeinsam machen wollten...und hoffentlich auch noch werden.

Die zwei Tage im Rheingau waren keine dieser spektakulären Tage, 
von denen man später behauptet, sie hätten das eigene Leben verändert. 
Und genau deshalb waren sie so schön.
Einfach stundenlang zusammensitzen, andere Menschen beobachten, erzählen und lachen. Die Sonne genießen und sich über Dinge amüsieren, die wahrscheinlich niemand sonst lustig gefunden hätte.

Auch die Golftage mit Freunden am Bodensee, verbunden mit den Bregenzer Festspielen und einer herrlichen Aufführung von 
"La Traviata" im Sonnenuntergang gehören zu diesem Sommer 2026.
Eine ziemlich perfekte Kombination: Tagsüber ein bisschen sportlicher Ehrgeiz bei über 30 Grad im Schatten - wobei man beim Golf ja wunderbar so tun kann, als wäre jeder misslungene Schlag reine Taktik - und abends Kultur vor einer ganz besonderen Kulisse.

Dann Kitzbühel mit anderen Freunden und Andreas Gabalier. Wieder eine ganz andere Art von Sommer. Beeindruckende Berge, ausgelassene Musik, fröhliche Menschen und die Gelegenheit, das Leben einfach mal laufen zu lassen.

Und natürlich darf Amrum nicht fehlen. Gerade deshalb auch so schön, 
weil es gar nicht jedes Mal ein großes "Jetzt fahren wir in den Urlaub!" 
sein muss, sondern weil es für mich ein zweites Zuhause geworden ist. 
Endloses Meer, salziger Wind, unendliche Weite und dieses Gefühl, dass 
die Gedanken automatisch ein bisschen langsamer werden.

Im Juli ging es dann endlich auch mal wieder zu meiner Freundin nach Reinbek. Manchmal sind es eben nicht die spektakulärsten Orte, die einem besonders vertraut und lieb geworden sind. Es sind die Menschen, Plätze und Erinnerungen, ein bestimmtes Gefühl, das man nicht unbedingt erklären kann, aber sofort wiedererkennt, wenn man dort ist. 

Wenn ich das alles so betrachte, war dieser Sommer eigentlich sehr voll.
Voll mit schönen Begegnungen, besonderen Ausflügen, langen Gesprächen, guter Musik, Meer und Bergen, ein bisschen Golf, dem einen oder anderen Glas Wein und vielen Momenten, die einfach gut getan haben.

Solche Tage bleiben mir in ewiger Erinnerung.

Und dann gab es in diesem Sommer noch ein Ereignis, das alles 
andere ein wenig in den Schatten gestellt hat: 
Unser zweites Enkelkind, ein kleines Mädchen, wurde geboren.
Und plötzlich ist da wieder dieses Gefühl, das man eigentlich kaum 
erklären kann. Man sieht dieses zarte Wesen und weiß gleichzeitig, 
dass man es noch gar nicht kennt – und dass man es trotzdem schon unendlich liebhat.

Das Leben ist manchmal eben auch erstaunlich großzügig. 
Da kommt ein neuer Mensch in die Familie, kaum größer als ein kleines Bündel Glück, und plötzlich fühlt sich die Zukunft ein bisschen größer an.
Man wird Oma von einem weiteren süßen Mädchen und stellt fest: 
Das Herz hat offenbar noch Platz, viel mehr als man dachte.

Vielleicht sind es dann genau solche Dinge, die bleiben, wenn der 
Sommer vorbei ist. Eben nicht die perfekte Bräune, die bei mir ohnehin ungefähr so lange hält wie ein guter Vorsatz.
Nicht die vielen Fotos, obwohl man natürlich trotzdem viel zu viele davon gemacht hat. Nicht die Outfits, die man im Sommer unbedingt gebraucht 
hat und im Herbst plötzlich nicht mehr sehen kann.

Es bleiben die kleinen Geschichten...
Die eiskalte und so erfrischende Dusche im Garten, d
er duftende 
Caffè Latte auf der schattigen Terrasse, die langen Abende beim Italiener, der unvergessliche Ausflug in den Rheingau, das ausgelassene Lachen mit Freundinnen, die tiefgründigen Gespräche, die irgendwo zwischen 
schaumigem Espresso und leckerer Weinschorle mit Eiswürfeln und Zitronenscheibe entstanden sind.
Die immer noch so warmen Abende, die kleinen Augenblicke, in denen 
man einfach zufrieden war, ohne genau zu wissen, warum.
Und dieses kleine Mädchen, das in diesem Sommer in unser Leben 
gekommen ist.

Vielleicht ist das überhaupt das Schönste am Älterwerden:
Man sammelt nicht mehr nur Pläne, sondern vor allem Erinnerungen.

Man merkt, dass die wirklich wichtigen Dinge selten laut daherkommen. 
Sie sitzen
neben einem am Tisch, rufen an oder kommen zu Besuch und 
lachen mit einem. 

Und irgendwann sitzt man vielleicht wieder irgendwo 
- vielleicht im Rheingau -, die Sonne scheint, vor einem steht ein 
Glas Wein oder auch ein Aperol Spritz und jemand sagt: 
„Weißt du noch damals im Sommer …?“

Und genau dann merkt man: 
Der Sommer ist vielleicht vorbei, aber ganz verschwunden ist er nicht, 
denn er steckt in den Geschichten, die wir weitererzählen, in den Menschen, mit denen wir sie erlebt haben.

Und in all den kleinen Dingen, bei denen wir damals noch nicht wussten, 
dass wir uns später gern daran erinnern würden.

Der Herbst darf also ruhig kommen, ich bin bereit.
Na ja, fast...D
ie Schläppchen bleiben vorsichtshalber noch ein bisschen draußen.

 



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