Donnerstag, 11. Juni 2026

DIE FRAUEN MEINES LEBENS. GOTT SEI DANK.

 



 

Mit den Jahren merkt man: Das Leben besteht wirklich nicht nur aus großen Plänen,
sondern aus den Menschen, die mitten drin sitzen, Wein mit Eiswürfeln oder spritzigen 
Aperol nachbestellen und sagen „Erzähl doch bitte nochmal von vorne.“

Ich habe im Laufe meines Lebens eine erstaunliche Zahl ganz wunderbarer Frauen kennengelernt: Loyale, laute, leise, starke, kluge, sensible, herzliche, einfühlsame, 
kreative, glamouröse, chaotische, unabhängige, entschlossene, authentische, liebenswerte, großzügige, nachdenkliche, temperamentvolle, elegante, lebensfrohe, neugierige, selbstbewusste, tatkräftige, außergewöhnliche, faszinierende, bunte, einzigartige...

Und jede von ihnen hat ihren Platz in meinem Leben.

Manche seit Jahrzehnten, manche erst seit Kurzem, manche ganz nah, manche nur gelegentlich. Und wirklich jede hat etwas hinterlassen.

Da sind zum Beispiel meine Golden Girls, echte Herzensfrauen, mit ihnen ist nichts anstrengend.

Die Nachmittage beginnen meistens gesittet und enden in den Abendstunden damit, dass 
fünf Frauen gleichzeitig reden, niemand mehr weiß, worum es ursprünglich ging und 
irgendwer ruft: „Nein! So war das doch gar nicht!“

Wir lachen viel. Dieses echte, hemmungslose Lachen, bei dem einem die Tränen kommen und man kurz denkt: Gut, dass wir uns in unserem Alter nicht mehr für Würde interessieren müssen.

Und natürlich reden wir über alles...

Kinder, inzwischen auch Enkel, Männer, Eltern, Gesundheit, Politik, die Weltlage und 
unsere Hautpflege.

Was ich an diesen Treffen so sehr liebe: Wir müssen nichts darstellen.
Keine von uns muss die Souveräne spielen, die Dauerfröhliche oder die Frau, die ihr Leben jederzeit perfekt im Griff hat. Das ist wirklich äußerst entspannend.

Denn die Wahrheit ist doch: Die meisten von uns improvisieren sich ziemlich erfolgreich 
durchs turbulente Leben.

Meine Golden Girls kennen meine Geschichte, nicht die hübsch erzählte und optimierte 
Version, sondern die echte. Sie wissen, wann ich mutig war, wann ich nur laut war und 
wann hinter einem „Alles gut“ in Wahrheit ein kleiner emotionaler Flächenbrand tobte.
Freundinnen merken so etwas.
Männer brauchen dafür oft einen Hinweis, drei Beispiele und eine PowerPoint-Präsentation.

 

Dann gibt es meine unverzichtbare Freundin, die damals noch um die Ecke wohnte, aber 
seit langem schon in Hamburg lebt. Wir kennen uns aus Kindertagen, seit dem Kindergarten...allein dieser Satz fühlt sich inzwischen fast unglaublich an.

Sie kennt Versionen von mir, die längst verschwunden sind.

Die Unsichere, die Überzeugte, die Verzweifelte, die Verliebte.
Alte Freundschaften haben etwas zutiefst Beruhigendes, denn man muss rein gar nichts erklären. Man steigt einfach wieder ein, als hätte das letzte Gespräch nicht vor Monaten, sondern vorgestern stattgefunden.
Und irgendwo zwischen zwei Sätzen ist man plötzlich wieder zwölf.

Ein paar meiner engsten Freundinnen stammen überhaupt noch aus der Schulzeit.
Wenn ich darüber nachdenke, ist das eigentlich ein kleines Wunder und alles andere als selbstverständlich. Wir kennen uns aus einer Zeit, bevor irgendjemand cool, reflektiert oder emotional kompetent sein wollte. Damals war man einfach jung, mit großen Gefühlen, kleinen Dramen, sehr fragwürdigen Frisuren und 
einer bemerkenswerten Fähigkeit, aus jeder 
Kleinigkeit eine Lebenskrise zu machen.

Diese Frauen kennen nicht nur mein heutiges Leben, sie kennen die Entstehungsgeschichte.
Sie erinnern sich an Träume, von denen ich manche längst vergessen habe.
An die Mädchen, die wir einmal waren.
Und jedes Mal, wenn wir uns treffen, sitzen diese Mädchen noch mit am Tisch.
Etwas älter, vielleicht etwas klüger und mit deutlich 
besseren Brillen.

Aber zum Glück immer noch da!

 

Und dann gibt es diese eine Freundin, die irgendwie immer da war.
Weder täglich noch monatlich, nicht ständig, aber immer herzlich.
Man verlor sich nie ganz aus den Augen.
Und irgendwann stand ich in ihrem Secondhandladen und hatte sofort dieses Gefühl:
Wie schön, da bist du ja wieder!

Manche Menschen begegnen einem nicht neu, man findet sie einfach wieder.
Und merkt dabei, dass etwas die ganze Zeit schon da war: Vertrautheit, 
Verbindung.
Seelenverwandtschaft ist ein großes Wort, aber manchmal gibt es einfach kein passenderes.
Vielleicht liegt es auch daran, dass wir beide Wassermänner sind, ein wenig eigenwillig, 

ein bisschen kreativ und 
gedanklich selten auf gerader Strecke unterwegs.

Jedenfalls war schnell klar: Das Universum hatte hier offenbar noch etwas nachzuholen.

Und wie wunderschön war es, vor ein paar Monaten sogar eine Lesung in ihrem Laden 
machen zu dürfen. Zwischen Alltags-Geschichten, Vintage-Kleidung und verschiedensten Menschen entstand dieser besondere Zauber, der sich nicht planen lässt.


Nicht zu vergessen ist meine "neuere" Damenrunde, ein ganz wunderbar bunter Kreis 
unterschiedlichster Frauen.
Verschiedene Berufe, 
facettenreiche Lebenswege, oft auch sehr individuelle Meinungen.
Und genau deshalb wird es nie langweilig.
Es wird heftig diskutiert, hemmungslos gelacht, philosophiert und gelegentlich so engagiert debattiert, als würde am Nachbartisch gerade eine politische Talkshow aufgezeichnet.

Was ich an dieser Runde so liebe: Sie erinnert mich daran, dass das Leben nie fertig ist 
und auch später noch neue Freundschaften entstehen können.
Dass nicht alle wichtigen Menschen schon längst verteilt sind. 

 

Schließlich gibt es noch unseren bunt zusammengewürfelten Frauenkreis, entstanden 
über unsere Männer, die sich seit gefühlten Jahrhunderten kennen.

Diese Männerfreundschaften faszinieren mich übrigens, sie können sich stundenlang treffen 
und danach trotzdem nicht wissen, dass einer gerade eine echte Lebenskrise hat.

Frauen erkennen emotionale Erschütterungen oft schon daran, wie jemand „Hallo“ sagt.
Deshalb sind unsere Treffen auch deutlich effizienter. Innerhalb kürzester Zeit werden Beziehungen analysiert, Kinder besprochen, Krankheiten diagnostiziert und mindestens drei Männer liebevoll kritisiert. Das ist Multitasking auf höchstem Niveau.

 

Nicht zu vergessen auch unsere Stammtischrunde aus der Schulzeit.
Sobald wir zusammensitzen, sind sie wieder da: Die Mädchen von damals.
Die Mutigen, die Unsicheren, die Lauten, die Albernen, die Schüchternen, die Verliebten.

Wir lachen über Lehrer, die damals jünger waren als wir jetzt, über unvergessliche Klassenfahrten und legendäre Geschichten, die außerhalb dieser Runde vermutlich 
niemand lustig finden würde.
Aber genau darin liegt ihre Magie, denn diese Frauen kennen mein Werden.

 

Zu guter Letzt all die wunderbaren Frauen, die vielleicht gar nicht zu den engsten 
Freundinnen zählen. Gute Bekannte. 
Frauen, die man manchmal ewig nicht sieht und die trotzdem so guttun.
Man begegnet sich zufällig oder verabredet sich endlich mal wieder.
Und sofort ist da erneut eine wohltuende Wärme, keine Vorwürfe, keine Erwartungen, 
kein schlechtes Gewissen, sondern ein ehrliches: „Wie schön, Dich zu sehen!“

Ich liebe solche Begegnungen, weil sie zeigen, dass nicht jede wertvolle Verbindung ständig gepflegt werden muss. Manche Menschen begleiten einen in größeren Abständen durchs Leben. Und jedes Wiedersehen fühlt sich an wie ein kleines Geschenk.

 

Je älter ich werde, desto mehr verstehe ich, was Freundinnen wirklich sind, nämlich viel 
mehr als nette Begleiterinnen. Sie sind Korrektiv, Resonanzraum und Sicherheitsnetz.
Sie feiern mit mir, wenn etwas gelingt.
Sie fangen mich auf, wenn etwas scheitert.
Sie kennen meine Macken und Marotten, meine blinden Flecken und meine schönsten Seiten.

Sie widersprechen, sie fordern mich heraus, manchmal krachen wir auch aneinander.
Aber echte Freundschaften dürfen das.

Wahre Freundinnen begleiten Beziehungen, Karrieren, Kinder, Neuanfänge, Abschiede 
und all die kleinen und großen Umwege eines Lebens.

Sie erweitern unsere Vorstellung von Liebe.

Und vielleicht ist genau das ihr größtes Geschenk: Dass sie sich immer wieder und 
trotz allem neu für uns entscheiden. Oder vielleicht gerade deshalb.

 

Und wenn ich heute auf die Frauen meines Lebens blicke, denke ich: 
Was für ein Reichtum!
Nicht auf dem Konto, nicht im Kleiderschrank, sondern am Tisch.
Denn dort sitzen sie alle...

Meine Golden Girls, meine kostbaren Freundinnen aus Kinder- und Schultagen,meine wiedergefundene Seelenverwandte, meine unterschiedlichen Frauenrunden, meine guten Bekannten.

All die besonderen Frauen, die meine Geschichte kennen.

Und die trotzdem immer wieder gerne Teil davon sind.

Gott sei Dank! 







 

 

 

 

 

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