Donnerstag, 26. Februar 2026

ICH KANN DAS.

 

 


 

Laut einiger meiner ganz wunderbaren Freundinnen und ein paar treuen Leserinnen war 
mein letzter Blogbeitrag der beste EVER...
Also nicht einfach gut.
Nicht solide.
Nicht "Ach, ganz nett!"
Sondern groooßartig, mich selbst über- und den berühmten Nagel auf den Kopf 
treffend, fantastisch und überhaupt...ich bin immer noch ganz gerührt ob all dieser mehr als höflichen Rückmeldungen!

Seitdem stehe ich allerdings unter literarischem Hochleistungsdruck.
Die Erwartungen sind jetzt astronomisch und die Latte liegt ungefähr auf Himalaya-Höhe.

Also, was tun?!
Ich werde... einfach Woll-Influencerin.

Das Häkel-Abenteuer begann unscheinbar und mit dem Kauf eines bunten Dreiecktuchs zu einem astronomisch hohen Preis. Immer öfter auf dieses viral gegangene Granny-Accessoire angesprochen, dachte ich mir: "Das kann doch nicht so schwer sein"! 
Und einige Profis behaupteten sogar: "Das ist total meditativ."

Obwohl seit der Schulzeit - die ja inzwischen nicht nur gefühlte Ewigkeiten her ist -, 
nie mehr eine Häkelnadel in der Hand gehabt, bestellte ich eine in Größe 5 und ein 
unschuldig aussehendes Wollknäuel.

MEDITATIV! 
Ich lache heute noch...

Was folgte, waren 50 YouTube-Tutorials für blutige Häkel-Anfänger. 
Fünfzig.
Ich habe in den letzten Wochen mehr Zeit mit geduldig lächelnden Häkel-Coaches verbracht 
als mit Familie und Freunden.

 



Anfangs sah mein Granny-Tuch aus wie ein emotional sehr instabiles Dreieck.
Die Kanten wellten sich wie meine Stimmung auf Espresso-Entzug. 
Die Maschen wirkten rebellisch, unangepasst und strukturell äußerst fragwürdig.

Aber: Ich blieb dran, aufgeben war keine Option.

Und jetzt?!

Inzwischen produziere ich mehr oder weniger makellos gleichmäßige, formstabile, 
fast beneidenswert harmonische Granny-Tücher.
Die Kanten?
Gerade wie meine Haltung, wenn ich mit ein bisschen Stolz in der Stimme sage: 
"Nein, ich brauche keine Anleitung mehr."
Die Farbverläufe?
Sinnlich, sanft, bunt und hochästhetisch.
Der Fall?
Fließend, elegant, schmückend und natürlich "intagrammabel".

Ich sage jetzt Dinge wie:
- "Das ist ein traumhaft weicher Alpaka-Mohair-Seide-Mix."
- "Die Spannung muss einfach stimmen."
- "Ich häkle nur noch mit ergonomischer Nadel."

Inzwischen besitze ich mehr Wollvorräte als ein mittelgroßer Handarbeitsladen... und der Lieblingsapotheker, zu dem ich vorzugsweise schicken lasse, fühlt sich wie der Mitarbeiter 
des Monats bei DHL... nur ohne die gelb-rote Jacke.
Meine Farbauswahl klingt wie eine Designer-Palette: 
Staubiges Rosé. Gedämpftes Salbei. Elegantes Petrol. Feuriges Lava-Fall.

Und das Beste?
Diese wunderbaren weichen, bunten und perfekt proportionierten Tücher entstehen aus 
einem dünnen, unscheinbaren und simplen Faden. 
Masche für Masche wird daraus etwas Großes. Etwas Wärmendes. Etwas Schmückendes.

Fazit...
Wenn also mein letzter Beitrag der Beste EVER war, dann ist dieser hier wenigstens 
der selbsbewussteste, farbintensivste und wollverliebteste.
Und falls ich zeitnah - selbstverständlich nur neben dem Leben als Autorin! - 
ein kleines, exklusives, streng limitiertes Granny-Tuch-Imperium gründe, sage ich natürlich 
ganz bescheiden: "Ach, ich hab einfach nur ein bisschen geübt", 
während ich innerlich ehrfürchtig flüstere: "Fünfzig Tutorials, Baby. Fünfzig!"

Denn erst fünfzig Tutorials später wusste ich endlich auch alles über Maschenspannung.
Und dass ein Aperol die Konzentration erstaunlich fördert.




 

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