Sonntag, 11. Januar 2026

DIE JUNGEN JAHRE...

...geh'n schnell vorbei...

 

  

Das hat schon Peter Kraus im Januar 1959 im Duett mit Jörg Maria Berg als 
"Die James Brothers" gesungen. Wie recht er doch hatte...

Vor ein paar Tagen habe ich in behaglichster Runde den vor langer Zeit gedrehten Film 
eines Freundes mal wieder sehen dürfen. Super-8, leichtes Flackern, kein Ton, wilde 
Zooms und das leise Rattern im Kopf, das sofort sagt: Das ist lange her. 

Und dann: WIR!

Unfassbar jung. Unfassbar dünn. Unfassbar überzeugt davon, dass diese Frisur mit dem gefährlich hoch auftoupierten Pony eine gute Idee war, glatte Gesichter ohne Geschichte, 
Blicke ohne Ahnung davon, was noch kommt.

Wir stehen da wie selbstverständlich, lachen laut, winken völlig ungeniert in die surrende Kamera, tragen Klamotten, für die man heute entweder sehr mutig  oder sehr betrunken 
sein müsste. Extrabreite Schulterpolster, gewagte Dauerwellen, Jeans in Waschungen, 
die man gar nicht mehr benennen kann. 
Und wir? Fanden uns ziemlich cool. 

 

 


 

Was mich aber wirklich erwischt hat und immer noch nachwirkt, waren nicht die Outfits.
Es waren unsere Blicke. Dieses Selbstverständnis, mit dem wir nebeneinander stehen, 
an wild gedeckten Tischen sitzen, auf Rädern radeln, die heute keiner mehr freiwillig nutzen würde, dick belegte Brote essen - Kalorien, was ist das?! -, durcheinander reden oder 
Blödsinn machen, bis vor Lachen die nicht vorhandenen Bäuche weh tun.
Beste Freundinnen. Ohne Zweifel. Ohne Drama.
Ohne Kalenderabgleich drei Wochen im Voraus. Ohne Handy. Ohne viel Geld.

Wir hatten einfach viel Zeit. Und noch mehr Energie. Und dieses Gefühl, dass alles noch 
vor uns liegt. Dass wir uns niemals verlieren werden. Haben wir uns tatsächlich und zum 
Glück auch nicht!

Während der Film lief, habe ich oft gelacht. Und dann auch mal geschluckt. 
Weil mir klar wurde, wie gnadenlos ehrlich alte Aufnahmen sind. Kein Filter, kein Nachbessern, kein Löschen. Kein "Das lade ich lieber doch nicht hoch".
Nur wir, wie wir wirklich waren. Und wie wir aussahen. Mein Gott, wie wir aussahen! 

Und trotzdem - oder genau deswegen - war es so rührend.
Diese Erinnerung daran, dass wir einmal so "leicht" waren. Dass Freundschaft bedeutete: Einfach da sein, einfach mal klingeln, reinspazieren und bleiben.
Einfach gemeinsam an die Côte d'Azur fahren und völlig frei und "oben ohne" auf einem viel 
zu kleinen Handtuch an einem damals noch leeren Strand liegen...
Brigitte-Bardot-Feeling läßt grüßen.

Heute haben wir Lachfalten statt toupierte Ponyfransen. Rückenschmerzen statt 
Liebeskummer, klare Meinungen zu bequemen Schuhen und Gespräche über bessere Schlafqualität statt durchtanzter Partynächte.
Aber wenn ich diesen Film sehe, 40 Jahre später, weiß ich: 
Unser Fundament steht noch.
Vielleicht sind wir nicht mehr die Gleichen. Aber wir sind immer noch wir.

Und irgendwo auf einer alten Super-8-Filmrolle lachen ein paar junge Frauen, die keine 
Ahnung haben, wie wertvoll sie sich gerade sind.
Oder doch...wir wissen es! 
 

Und ich bin dankbar dafür, dass jemand damals auf "Start" gedrückt hat.