Dienstag, 30. Dezember 2025

ZWISCHEN SEKTGLAS UND SELBSTIRONIE - MEINE GANZ PERSÖNLICHE JAHRESABRECHNUNG.

 

 


Das Ende eines Jahres ist für mich diese seltsame Zeit zwischen Weihnachtsdeko wegräumen, 10 Jahre alte Akten vernichten, die ersten Tulpen kaufen, der Frage "Esse ich noch die letzten Lebkuchen?" und dem Vorsatz "Nächstes Jahr wird alles anders".
Die Zeit zwischen den Jahren, in der man grübelt, ob man eigentlich nur im Winterschlaf 
ist oder schon die Übersicht verloren hat!
Man schaut zurück, faltet innerlich die Hände und fragt sich:
Na? Was war denn los in 2025?
Erfolge? Erkenntnisse? Höhenflüge? Tiefpunkte? 
Oder zumindest ein ordentliches Stolpern mit Ziel vor Augen?

Ich habe lange überlegt, worauf ich in diesem kleinen Jahresrückblick überhaupt schauen will. Auf das goße Ganze? Auf die kleinen Dinge? Auf mich? 
Oder auf dieses eine Projekt, das mich begleitet hat wie ein gutgelaunter, manchmal leicht anstrengender Mitbewohner: Mein Buch.

Aber nein.
Natürlich war dieses Jahr mehr als ein Buch.
Und gleichzeitig war das Buch ziemlich viel.

Kreativ statt beschäftigt.

Ich arbeite ja nicht mehr. Also zumindest nicht in diesem klassischen Sinn, in dem man 
morgens irgendwo auftaucht und so tut, als hätte man einen Plan.

Ich bin "nur" kreativ. Das ist etwas völlig anderes.

Ich denke, schreibe, verwerfe, schreibe neu.
Ich kreiere kleine Quadrate mit meinen eigenen Schwarzweiß-Fotos. 
Manchmal nur für mich. 
Manchmal für andere. 
Einige stehen, liegen oder hängen auch schon in einer neuen Umgebung. 

Kreativ sein heisst immer wieder auch: 
Denken, verwerfen, neu denken, wieder verwerfen - und irgendwann sagen: 
So. Das bleibt jetzt so. Punkt.
Es heißt, dem eigenen Rhythmus zu vertrauen.
Und zu akzeptieren, dass man nicht produktiv sein muss, um Wertvolles zu tun.

 

 


Das Buch. Mein Buch. 

Ja, es gibt seit Sommer dieses Buch "Zwischen Zähneputzen und Zweifeln".
Und nein, es ist nicht plötzlich alles verändert, seit es existiert.
Aber es hat etwas sortiert.
Wilde Gedanken, schöne und nicht so schöne Erinnerungen, allerlei aufregende Alltagsbeobachtungen. Und mich selbst auch ein bisschen.

Mein Buch existiert.
Es liegt auf Tischen.
Manche haben es gelesen.
Manche haben mir Sätze daraus zurückgeschickt - und die sind mir dann leise ins Herz gefallen. 

Und ja: Ich vermarkte es.
Ich lerne, wie man über etwas spricht, das sehr perönlich ist, ohne sich dabei wie eine 
schlecht gelaunte Dauerwerbesendung zu fühlen.
Ich übe, ein bisschen stolz zu sein, ohne laut zu werden.
Und sichtbar, ohne mich zu verbiegen.

Das ist gar nicht so leicht.

Vielleicht gibt es irgendwann auch ein neues Buch. Vielleicht auch nicht.
Es gibt da Ideen. Zettel. Dateien mit kryptischen Namen. Anfänge - und Enden, die sich 
noch nicht zeigen wollen. 
Vielleicht bleibt alles aber auch erst einmal ein spannender Gedanke, der noch ein bisschen reifen muss.
Ich habe gelernt, mir selbst keinen Zeitdruck mehr zu machen und meine allseits 
präsente Moral Marie auch mal in den Kurz-Urlaub zu schicken.  

Jahresrückblick heißt nicht Jahresabrechnung.

Es gab Höhen, Tiefen und ein paar Momente, in denen ich mich gefragt habe, ob ich vielleicht doch eine Ausbildung zur Einsiedlerin anfangen sollte. Manchmal war ich mutig, manchmal müde - und ganz selten hatte ich das Gefühl, alles im Griff zu haben. 

Ich habe im Laufe der Zeit gelernt, dass ein Jahresende kein Kassensturz sein muss. 
Keine Excel-Tabelle des Lebens. Kein "Hätte-ich-doch-noch".

Man darf zurückschauen und sagen:
Das war genug. Oder sogar: Das war gut.

Nicht alles war leicht.
Nicht alles war lustig.
Aber vieles war echt.

Interessante und tiefgründige Gespräche, die geblieben sind. Andere, die gegangen sind - 
und das war auch gut so.
Momente, in denen ich dachte: Ach, so fühlt sich das also an, wenn man bei sich ankommt.
Und dann wieder welche, in denen ich kurz die Orientierung verloren habe. 
Auch das gehört dazu. Ich habe gelernt, langsamer zu urteilen. Über andere. 
Und vor allem über mich. 

Fazit? Gibt's keins. Nur ein Gefühl.

Jetzt kommt ein neues Jahr.
Mit neuen leeren Seiten.
Bestimmt mit neuen Texten.
Mit neuen Mini-Quadraten.
Und mit vielleicht einfach nur mehr Vertrauen ins Unperfekte.

Ich bin nicht spektakulärer geworden. Aber ehrlicher. 
Nicht lauter. Aber klarer. 

Ich nehme also mit: Grenzenlose Neugier, Sinn für Humor, eine gewisse Gelassenheit 
und ein Buch, das es ohne mich nicht gegeben hätte.

Und das reicht mir. 

Und 2026?! 

Ach ja, die Pläne fürs neue Jahr! 
Ich werde natürlich mehr Sport machen (vielleicht viermal).
Ich werde immer meinen Schreibtisch aufräumen (zumindest einmal).
Ich werde weniger Kaffee trinken (okay...nächster Punkt).
Ich werde liebevoller mit mir selbst sein, großzügiger mit Pausen und entspannter mit anstrengenden Mitmenschen.

Vor allem aber: 
Ich freue mich darauf, wieder jede Menge Geschichten zu erleben, zu sammeln und aufzuschreiben - zwischen Zähneputzen und Zweifeln, zwischen Espressotasse und Aperol. 

Ich verabschiede das Jahr 2025. Ohne Drama. Mit Neugier auf 2026.

Guten Rutsch... 

 


 

Sonntag, 7. Dezember 2025

MITTEN IM JETZT...

 


 ...Oder: Wenn das Leben plötzlich schneller läuft als wir!

Es gibt diese kleinen Momente, in denen wir aufwachen und uns fragen, wann eigentlich alles so schnell geworden ist. Früher schien ein Jahr geradezu eine Ewigkeit zu dauern, die Sommerferien waren ein ganzer Ozean voller Zeit.
Heute blättere ich gefühlt nur einmal im Kalender um - und schon ist wieder Weihnachten.
Manchmal habe ich das Gefühl, das Leben rennt, und ich selbst trödele nur hinterher und versuche, trotzdem nicht aus der Puste zu kommen.

In den letzten Wochen wurde dieses Gefühl noch stärker. Ein Schicksalsschlag in der Familie hat etwas in mir angehalten. Solche Ereignisse machen das immer: Sie brechen mitten in unseren Alltag ein, setzen sich ungebeten an den Tisch und sagen mit grenzenloser und unbequemer Ehrlichkeit, dass rein gar nichts selbstverständlich ist. 
Nicht die Menschen, die wir lieben. 
Nicht die Zeit, die wir glauben zu haben. 
Nicht einmal das Morgen.

Man merkt plötzlich wieder, wie fragil dieses ganze Konstrukt "Alltag" ist. Wir planen Wochen 
im Voraus, verschieben leichtfertig Termine, schreiben endlose Listen - und glauben ernsthaft, wir hätten Einfluss darauf, wie sich die nächsten Tage anfühlen werden, was passieren wird. 
Doch in Wahrheit leben wir alle auf sehr dünnem Papier. Ein einziger Anruf, ein Nebensatz, 
eine Nachricht kann alles verschieben, neu sortieren, auf den Kopf stellen.

Und während ich das so beobachte, wird mir klar, wie selten ich wirklich im Jetzt bin. 
Wie oft ich gedanklich schon im nächsten Schritt hänge, im nächsten Projekt, im 
nächsten Gespräch. Dabei ist es genau dieser eine Moment, in dem wir atmen, fühlen, 
leben, der eigentlich zählt. Vielleicht ist es sogar eine stille Einladung, dem Leben generell direkter zu begegnen. 
Nicht übermorgen. 
Nicht "wenn alles wieder ruhiger wird".
Sondern jetzt.
Mit all seiner Verletzlichkeit, all seiner Schönheit und allem dazwischen.

Und doch war es nicht nur ein Schmerz, der sich breit gemacht hat. Es war auch ein merkwürdiges, fast warmes Bewusstsein dafür, wir sehr wir verbunden sind - gerade dann, wenn uns etwas erschüttert, stille Solidarität, die sonst im Lärm der Routine einfach und 
oft untergeht.

Genau darin liegt etwas Tröstliches. Das Leben mag schnell sein, überraschend, 
manchmal ungerecht. Aber es schenkt uns auch immer wieder diese Momente der Menschlichkeit, die uns daran erinnern, warum wir all die Unordnung und Unsicherheit überhaupt aushalten.

Ich möchte gar nicht in die dunkle Ecke der Melancholie abtauchen - das wäre zu einfach. Stattdessen versuche ich, die Lektion zu sehen, die sich mir so vorsichtig andeutet: 
Vielleicht kommt es gar nicht darauf an, das Leben zu verlangsamen oder festzuhalten. Vielleicht geht es einfach darum, wach zu bleiben, während es an uns vorbeirauscht.
Präsenter. Aufmerksamer. Empathischer. Dankbarer.

Ich will wieder lernen, die Minuten bewusster zu sehen. Mich über die kleinen Wunder 
im Alltag zu freuen - und sei es nur der Geruch von frischem Kaffee am Morgen, 
der Moment, in dem jemand neben mir sitzt und gar nichts sagen muss, damit ich mich 
verstanden fühle oder das so süße Üben meiner Enkelin Oma "Bärbel" fehlerfrei auszusprechen.

Das Leben geht schnell vorbei, ja. Aber es ist voller Augenblicke, die uns sanft erinnern, 
dass wir mittendrin sind - lebendig, verbunden, verletzlich und dennoch stark.

Vielleicht ist das am Ende ja genug.
Vielleicht ist das sogar alles. 

 Ich wünsche allen eine besinnliche Adventszeit und zufriedene Feiertage!