Dienstag, 20. Januar 2026

AUSSER BETRIEB. UNFREIWILLIG...

...oder: Wenn Dich das Leben zu einer kleinen Pause zwingt.

 


 

Es begann wie ein ganz normaler Skitag. Perfekter Schnee, Sonne pur, ein bisschen Größenwahn, was soll schon passieren? Ein grummelndes Bauchgefühl nach dem üppigen Frühstück im schönen Berghotel wurde von meiner mitgereisten Moral Marie gekonnt ins Lächerliche gezogen.

Und dann kam sie. Von hinten. Mit Tempo. Eine Frau, die offensichtlich der Meinung war, 
die Piste sei eine vierspurige Autobahn ohne Tempolimit.
Zack...alles ging schrecklich schnell, es krachte wirklich furchtbar, Skier und ich flogen durch 
die Luft, plötzlich war es gespenstisch still und ich lag verdreht im Schnee. 
Die Frau - eine Engländerin - fuhr zwar nicht weiter, sondern redete auf mich ein, bot 
mir Wasser an, half mir hoch...und da ich so unter Schock stand, murmelte ich trotz stechendem Schmerz am Knie: "I am ok!", denn ich konnte verblüffenderweise ja nicht 
nur "fluently" englisch sprechen sondern auch stehen ohne wieder umzufallen. 
Dann konnte es ja nicht so schlimm sein...
Sie fuhr weiter, ich blieb zurück und kämpfte mich im Schneckentempo das letzte Stück 
Abhang runter...hin zu meinem Lieblingsapotheker, der natürlich, da der wesentlich bessere Skifahrer, schon ewig unten wartete... Dann erst verließ mich das Adrenalin und die Tränen flossen.

Um es kurz zu machen: Ich hatte Glück im Unglück!
Es ist wohl kein Band gerissen, weder im dicken Knie noch am nicht mehr taufrischen Oberschenkel, alles "nur" komplett überdehnt und offensichtlich viele kleine Risse, die mir 
so weh tun und das Laufen, aber vor allem das Hinsetzen und wieder Aufstehen als auch 
das Treppensteigen so beschwerlich machen.
Da liege ich jetzt also mit einer Bänderdehnung vom Feinsten und der Erkenntnis, dass 
das Leben manchmal sehr körperlich mit einem spricht.
"Pause", sagt mein Knie.
"Jetzt?", frage ich.
"Jetzt!", sagt das Leben.

Denn seien wir mal ehrlich: 
Auf "Du solltest Dich mal ein bisschen schonen" höre ich ungefähr so gut wie auf 
"Mach Dir nicht so viele Gedanken". Nämlich gar nicht. Also musste es offenbar etwas Deutlicheres sein. Etwas mit Salbe und Verband. Und Hochlegen. Kühlpads. Und Tabletten.

Seitdem sitze ich also hier. Bewegung auf Sparflamme. Treppensteigen wie ein Kleinkind. Termine abgesagt. Alltag entschleunigt. Heute morgen sogar mal Zeit für eine Kollagen-Maske und Augenpads genommen. Und natürlich ganz viel Espresso.
Und jetzt, bei Tasse Nummer drei, frage ich mich: Was will mir das Leben eigentlich sagen?

 

 


 

Vielleicht: Du musst nicht immer rennen. Nicht auf Skiern, nicht im Kopf, nicht durchs Leben.
Vielleicht auch: Es ist erlaubt, mal aus dem Rennen genommen zu werden, ohne gleich alles 
zu verlieren. 
Oder ganz pragmatisch: Hör endlich auf, immer alles gleichzeitig zu wollen.

Eine Bänderdehnung ist keine Tragödie. Sie ist eher ein freundlicher, aber bestimmter kleiner Klaps auf den Hinterkopf, nach dem Motto: Setz Dich. Atme. Schau mal aus dem Fenster. 
Die Welt dreht sich nämlich auch dann weiter, wenn Du gerade stillhälst.

Natürlich gibt es diese Momente, in denen man denkt: Das passt mir jetzt aber gar nicht. 
Genau jetzt hatte ich Pläne. Genau jetzt wollte ich aktiv sein. Genau jetzt habe ich keine Zeit 
für Schonung. Aber vielleicht ist jetzt genau der Punkt. Vielleicht ist Pause kein Gegensatz zu Leben, sondern ein Teil davon.

Und ja, ich habe kurz überlegt, ob ich diese Erfahrung spirituell deuten soll. 
Zeichen des Universums. Lernaufgabe. Wachstumsschmerz.
Aber vielleicht reicht ja auch eine einfachere Übersetzung nach dem Motto: 
Du bist kein Roboter. Dein Körper darf mitreden. Und manchmal muss er eben schreien, 
wenn Du sein Flüstern nicht hören willst.

Inzwischen bin ich fast, aber nur ein bisschen, dankbar. Nicht für den Unfall. Nicht für den doofen Schmerz. Aber fürs Innehalten. Für das langsamer Denken. Für das Beobachten. 
Für das Nichtstun, das sich erst falsch anfühlt und dann überraschend gut.

Also, was will mir das Leben sagen? Vielleicht nur das: Du darfst eine Pause machen, 
ohne sie immer rechtfertigen zu müssen.

Und falls auch Du Dich gerade fragst, warum Dich das Leben ausbremst: 
Vielleicht bist Du nicht falsch abgebogen. Vielleicht bist Du einfach kurz angehalten worden.

Mit hochgelegtem Bein. Und einem leisen Lächeln. 
Und immer wieder: Vielleicht... 

 

 


 

Sonntag, 11. Januar 2026

DIE JUNGEN JAHRE...

...geh'n schnell vorbei...

 

  

Das hat schon Peter Kraus im Januar 1959 im Duett mit Jörg Maria Berg als 
"Die James Brothers" gesungen. Wie recht er doch hatte...

Vor ein paar Tagen habe ich in behaglichster Runde den vor langer Zeit gedrehten Film 
eines Freundes mal wieder sehen dürfen. Super-8, leichtes Flackern, kein Ton, wilde 
Zooms und das leise Rattern im Kopf, das sofort sagt: Das ist lange her. 

Und dann: WIR!

Unfassbar jung. Unfassbar dünn. Unfassbar überzeugt davon, dass diese Frisur mit dem gefährlich hoch auftoupierten Pony eine gute Idee war, glatte Gesichter ohne Geschichte, 
Blicke ohne Ahnung davon, was noch kommt.

Wir stehen da wie selbstverständlich, lachen laut, winken völlig ungeniert in die surrende Kamera, tragen Klamotten, für die man heute entweder sehr mutig  oder sehr betrunken 
sein müsste. Extrabreite Schulterpolster, gewagte Dauerwellen, Jeans in Waschungen, 
die man gar nicht mehr benennen kann. 
Und wir? Fanden uns ziemlich cool. 

 

 


 

Was mich aber wirklich erwischt hat und immer noch nachwirkt, waren nicht die Outfits.
Es waren unsere Blicke. Dieses Selbstverständnis, mit dem wir nebeneinander stehen, 
an wild gedeckten Tischen sitzen, auf Rädern radeln, die heute keiner mehr freiwillig nutzen würde, dick belegte Brote essen - Kalorien, was ist das?! -, durcheinander reden oder 
Blödsinn machen, bis vor Lachen die nicht vorhandenen Bäuche weh tun.
Beste Freundinnen. Ohne Zweifel. Ohne Drama.
Ohne Kalenderabgleich drei Wochen im Voraus. Ohne Handy. Ohne viel Geld.

Wir hatten einfach viel Zeit. Und noch mehr Energie. Und dieses Gefühl, dass alles noch 
vor uns liegt. Dass wir uns niemals verlieren werden. Haben wir uns tatsächlich und zum 
Glück auch nicht!

Während der Film lief, habe ich oft gelacht. Und dann auch mal geschluckt. 
Weil mir klar wurde, wie gnadenlos ehrlich alte Aufnahmen sind. Kein Filter, kein Nachbessern, kein Löschen. Kein "Das lade ich lieber doch nicht hoch".
Nur wir, wie wir wirklich waren. Und wie wir aussahen. Mein Gott, wie wir aussahen! 

Und trotzdem - oder genau deswegen - war es so rührend.
Diese Erinnerung daran, dass wir einmal so "leicht" waren. Dass Freundschaft bedeutete: Einfach da sein, einfach mal klingeln, reinspazieren und bleiben.
Einfach gemeinsam an die Côte d'Azur fahren und völlig frei und "oben ohne" auf einem viel 
zu kleinen Handtuch an einem damals noch leeren Strand liegen...
Brigitte-Bardot-Feeling läßt grüßen.

Heute haben wir Lachfalten statt toupierte Ponyfransen. Rückenschmerzen statt 
Liebeskummer, klare Meinungen zu bequemen Schuhen und Gespräche über bessere Schlafqualität statt durchtanzter Partynächte.
Aber wenn ich diesen Film sehe, 40 Jahre später, weiß ich: 
Unser Fundament steht noch.
Vielleicht sind wir nicht mehr die Gleichen. Aber wir sind immer noch wir.

Und irgendwo auf einer alten Super-8-Filmrolle lachen ein paar junge Frauen, die keine 
Ahnung haben, wie wertvoll sie sich gerade sind.
Oder doch...wir wissen es! 
 

Und ich bin dankbar dafür, dass jemand damals auf "Start" gedrückt hat.